Der nachhaltige Ansatz

Was bedeutet PLUStainability?

Den Begriff „Plustainability“ findet man (noch) nicht im Duden. Die Initiatoren von BaumInvest haben ihn kreiert, um damit zu signalisieren, dass sie im Rahmen des Projektverbundes mehr als nur nachhaltig wirtschaften und der Natur wieder etwas zurückgeben wollen.

Mit jedem einzelnen Produktionsschritt wollen sie einen Mehrwert schaffen und in allen Bereichen für nachweisbare Verbesserungen sorgen: beim Bodenleben, bei der Luftverschmutzung und Wasserbelastung, der Artenvielfalt, beim Klima und nicht zuletzt bei den Lebensbedingungen der Menschen.

Genau deshalb wurde die Querdenker GmbH in der Kategorie Biodiversität mit dem „Deutschen CSR-Preis 2014“ ausgezeichnet. „Es ist ein in sich sehr stimmiges Geschäftsmodell, das zeigt, dass es um mehr als Nachhaltigkeit geht, indem nämlich Biodiversität wirklich zu einem zentralen Inhalt des Geschäftsmodells erkoren wurde“, begründete der Jury-Vorsitzende Stefan Rösler die Entscheidung.

Vier Bereiche, ein Ansatz – Erfahren Sie mehr!

Nachhaltiger Kreisverkehr – Die Permakultur

Nur wenn sich alles im Kreis dreht, kommt man voran. Manchmal liegt der Fortschritt im vermeintlichen Paradox. Deshalb setzen Stefan Pröstler und seine Mitarbeiter auf das Prinzip der Permakultur.

Mit der Permakultur ist es so eine Sache. Sie ist Vision und Rätsel zugleich. Fragt man fünf Experten, was es mit ihr auf sich hat, bekommt man fünf unterschiedliche Antworten. Mindestens. Wie kommt es? „Das liegt daran, dass Permakultur anders als etwa der Ökolandbau kein Anbauverfahren mit klaren Richtlinien ist, sondern ein Analyse- und Planungsinstrument.“, erklärt Marion Buley. Die Agraringenieurin berät Permakulturprojekte und sitzt im wissenschaftlichen Beirat der Stiftung FuturoVerde.
Gibt es denn überhaupt keinen gemeinsamen Nenner? Doch. Über das Ziel der Permakultur ist man sich einig. Sie will die Böden nicht nur bewahren, sondern verbessern, zerstörte Lebensräume wiederherstellen und benachteiligten Menschen neue Lebensperspektiven bieten. Vom Weg dorthin hat jedoch jeder seine eigenen Vorstellungen. Stefan Pröstler formuliert es so: „Permakultur steht für etwas permanentes, aber auch für Kultur. Und die ist sehr vielfältig, immer an die lokalen Gegebenheiten angepasst.“
Begründet wurde das Konzept in den Siebzigern von dem Australier Bill Mollison. Anfangs als Hippie-Idee belächelt, erfährt es heute Anerkennung von Wissenschaftlern und Unternehmen. Mollison beschrieb die bewusste Gestaltung und den Erhalt von „essbaren Landschaften“, die über die Diversität, Stabilität und Widerstandsfähigkeit eines Urwaldes verfügten. Dabei ist es nötig, mit der Natur zu arbeiten – nicht gegen sie.
So, wie das Stefan Pröstler in Costa Rica macht. „Die Projekte dort sind von der Permakultur mit ihren Gedanken, Prinzipien und Ansätzen inspiriert.“, sagt Buley. „Dienstleistungen aus der Natur sollen genutzt und das Anbausystem nachhaltiger gemacht werden.“ Beispielsweise dadurch, dass Kulturen nebeneinander gepflanzt werden, die sich stärken, Schädlinge fernhalten oder Nährstoffe liefern.
„Durch die Permakultur wollen wir Kreisläufe schaffen“, ergänzt Pröstler. „Die einzelnen Elemente werden nach ihren Funktionen betrachtet. Aus dem Abfall des einen wird eine Ressource für den anderen: Kuhdung wird zu Dünger, Abfallholz zu Kisten, Unkraut zu Schattenspendern. Das entspricht auch dem Cradle-to-Cradle-Ansatz, bei dem es darum geht, Materialien wiederzuverwerten oder zu kompostieren.“

Die Wirkungen

In verschiedenen Bereichen zeigt die Art und Weise, wie im Projektverbund gewirtschaftet wird, bereits sicht- und messbare Wirkung. Eine stichwortartige Übersicht.

Boden

Da ist der Wurm drin

Ein gesunder Boden hat eine erstaunliche Vielfalt. In einem einzigen Kubikmeter leben rund hundert Regenwürmer, hundert Asseln und hundert Käferlarven, tausende Milben und Abermillionen Pilze und Bakterien. Ein gesunder Boden enthält reichlich Stickstoff, Kalium und Phosphor, die zentralen Nährstoffe für jedes Wachstum.

Die Flächen, auf denen über eine Million Bäume für BaumInvest aufgeforstet sind, wurden zuvor jahrzehntelang durch Viehzucht sowie Anbau in Monokultur ausgelaugt. Stefan Pröstler und seine Mitarbeiter sind deshalb seit zehn Jahren dabei, die Böden im Projektgebiet zu verbessern. „Regenwürmer sind dabei unsere wichtigsten Helfer“, erklärt David Pereira, Agraringenieur bei Puro Verde. „Denn Regenwürmer spielen eine herausragende Rolle bei der Humusbildung.“

In einer eigens dafür angelegten Wurmzucht werden sie vermehrt und zwischen den Bäumen ausgebracht. Der Mist von 200 Rindern und 150 Schweinen dient als Dünger. Im offenen Gelände gepflanzte Hecken schützen nicht zuletzt als Windbrecher vor Erosion und Bodenverlust.

Mitgestaltung

Aktiv dabei sein, statt passiv abwarten

Sich aktiv zu beteiligen gehört zu den zentralen Elementen der Solidarischen Landwirtschaft. Bürger übernehmen Verantwortung bei dem Ziel, eine nachhaltige Wirtschaft aufzubauen. Vergleichbar lebt und entfaltet sich der Projektverbund in Costa Rica durch die Beteiligung von Gesellschaftern und Partnern.

Mitglieder haben bereits angeboten, für einzelne Produkte Verkaufsstellen aufzubauen. Andere bringen auf Gesellschafterreisen und -versammlungen ihre Ideen ein, diskutieren unternehmerische Entscheidungen, bieten ehrenamtliche Hilfe an und unterstützen den Projektverbund auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Die einen durch Mund-zu-Mund-Propaganda, andere durch Englischunterricht für die Mitarbeiter vor Ort, wieder andere, indem sie nach den Samen bedrohter Baumarten in Costa Rica suchen oder sich politisch oder wissenschaftlich in der Stiftung engagieren. „Bei uns sind alle eingeladen, die Zukunft mitzugestalten“, sagt Leo Pröstler, „das erst macht das große Ganze aus.“

Nachhaltige Geldanlage

Wir übernehmen Verantwortung für das, was unser Geld bewirkt

Wer sein Geld auf eine Bank legt, die bei der Kreditvergabe auf keinerlei ethisches Investment achtet, finanziert vielleicht die Abholzung von Regenwald für eine neue Sojaplantage oder eine Schweinemastanlage, bei der sowohl die Tiere als auch die angrenzenden Anwohner zu den Leidtragenden gehören.
Die Genossenschaftsmitglieder und Gesellschafter im Projektverbund erreichen das Gegenteil: Mit ihren Mitteln finanzieren sie ein Wirtschaftsprojekt, das sich in den vergangenen zehn Jahren zu einem Leuchtturmprojekt in Sachen Aufforstung und Agrarwirtschaft entwickelt hat. Sie haben ihr Geld verantwortungsbewusst angelegt und können die weitere Entwicklung aktiv mitbestimmen. Denn ihre Geldanlage entspricht einer Unternehmensbeteiligung, durch die sie Stimmrechte und Mitsprache erworben haben. Und je mehr Menschen die Erfahrung machen, dass sie mit ihrem Geld nicht nur nachhaltige Projekte fördern können, sondern damit auch Erlöse erwirtschaften, desto mehr werden andere ermutigt, sich ebenfalls an Projekten wie BaumInvest oder der Genossenschaft PuroVerde zu beteiligen.

Wertschöpfung

Partnerschaft statt Ausbeutung

Ingwer ist das anschaulichste Beispiel für Wertschöpfung im Projektverbund. Die Knolle wird zu Ingwersaft verarbeitet und im Direktvertrieb verkauft, so dass der Projektverbund die Preise selbst gestalten kann und der dadurch erzielte Mehrerlös den Erzeugern zugutekommt. Damit ist er der Marktmacht von Konzernen wie Dole und Chiquita oder Supermarktketten wie Aldi und Rewe nicht ausgeliefert.
Eine vergleichbare Wertschöpfung soll jetzt für die Hölzer und Feldkulturen aufgebaut werden. Der Verkauf von Fleisch, Früchten und Gemüse im eigenen Supermarkt oder über die PuroVerde eG schafft bereits einen Mehrwert ohne Zwischenhändler. Die Kunden erfahren, von welchem Feld die Produkte stammen und welche Bauern davon profitieren. „Produzenten und Konsumenten begegnen sich sozusagen in einer Wertschöpfungskette und übernehmen gemeinsam Verantwortung“, erklärt Heiko Rock, Vorstand der PuroVerde eG. Beim Holz ist es das Gleiche: Jetzt, da die schnell wachsenden Schattenbäume erntereif sind, gilt es, ihren Wert zu erhöhen – verarbeitet zu Brettern und Balken und durch gezielte Vermarktung.

Klimaschutz

Edelholz – der effektivste CO²-Speicher

Aufforstungen sind die einfachste und effektivste Möglichkeit, der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen. Denn im Schnitt bindet jeder Kubikmeter Holz rund 250 Kilogramm Kohlenstoff und entzieht der Atmosphäre damit umgerechnet fast eine Tonne CO² – Harthölzer etwas mehr, schnell wachsende Weichhölzer etwas weniger.

Über eine Million Bäume wurden auf den Fincas im Projektverbund gepflanzt. Sie entziehen der Atmosphäre insgesamt 150.000 Tonnen CO² und speichern den Kohlenstoff im Holz. Diese Menge ist nach dem Gold Standard zertifiziert , dem strengsten Standard in Sachen CO².

Entstehen wie bei BaumInvest nachhaltig bewirtschaftete Mischwälder, so verbleibt ein Teil des gebundenen Kohlenstoffs langfristig im Wald. Edelhölzer wie Teak, Mahagoni und Almendro werden meist zu Holzhäusern oder Möbeln verbaut, so dass der Kohlenstoff auch nach der Ernte gebunden bleibt. Gleichzeitig ersetzen sie Stahl, Ziegel oder Beton. Eine Tonne Beton beispielsweise verursacht 100 Kilogramm CO².

Biodiversität

Vielfalt statt Wachstumswahn

20 Amphibien- und Reptilienarten hatte Dr. Gunther Köhler vom Frankfurter Senckenberg-Naturmuseum bereits 2009 auf der Finca San Rafael nachgewiesen, 2014 waren es dann über 60. „Da habe ich Arten entdeckt, die ich in den vergangenen 20 Jahren nur ein paar Mal zu Gesicht bekommen habe“, bestätigt der Amphibien- und Reptilienexperte. Die Tiere hatten in den noch vorhandenen Regenwaldresten überlebt. Die Aufforstung und vor allem Tothölzer, die im Forst bleiben, ergeben jetzt zunehmend neue Strukturen und Lebensräume.

Und weil speziell Amphibien ausgezeichnete Bioindikatoren sind, über die man etwas über die ökologische Qualität einer Fläche erfahren kann, ist dies ein Indikator für die gesamte Vielfalt. Wo es Frösche gibt, gibt es immer auch Tiere, die Frösche fressen – verschiedene Schlangen, Vögel oder Kaimane – und umgekehrt eine Vielzahl von Insekten, von denen sich wiederum die Frösche ernähren. Mit dieser Entwicklung zeigt der Projektverbund, dass Mischwald die Biodiversität deutlich verbessern kann.

Ideen pflanzen

Neue Ideen der Aufforstung, Landwirtschaft und Finanzierung sind die Basis für nachhaltige Entwicklung.

Wirtschaft ändern

Transformationeffekte für Wirtschaft und Gesellschaft bewirken und langfristige Perspektiven schaffen.

Zukunft ernten

Der Plattform beitreten und mitgestalten, um das Plus für kommende Generationen zu verwirklichen.