Die Initiatoren – Leo und Stefan Pröstler im Porträt

Wenn der Vater mit dem Sohne…So oder ähnlich könnte die Geschichte des Projektverbundes FuturoVerde beginnen. Leo und Stefan Pröstler stehen als Initiatoren des Projektverbundes mit beiden Beinen mitten im Geschehen. Vor über 10 Jahren hat Leo Pröstler den ersten BaumInvest-Fond ins Leben gerufen und seitdem auf beiden Seiten des Ozeans Unternehmen und Projekte gegründet, die sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltig arbeiten. Sein Sohn Stefan leitet in Costa Rica das Tagesgeschäft und ist verantwortlich für das Zusammenspiel der Beteiligten auf zwei Kontinenten. So ist es nicht verwunderlich, dass auf kurz oder lang Stefan die Leitung der Geschäfte übernehmen wird. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen Vater und Sohn vor. Ein Familienporträt:

Leo Pröstler

geboren 1947 in der Steiermark, studierte Eisenhüttenkunde, verkaufte in den siebziger Jahren Stahlwerke und wurde 1980 Geschäftsführer des Öko-Instituts in Freiburg. 1987 gründete er den Umweltversand Waschbär, 1995 die Querdenker GmbH, die nachhaltige Produkte und Projekte entwickelt – allen voran die BaumInvest-Fonds 1, 2 und 3. 2014 rief er die Stiftung FuturoVerde ins Leben, die sich „verantwortliches Wirtschaften“ auf die Fahnen geschrieben hat.

Stefan Pröstler

geboren 1980 in Freiburg ist der gelernte Veranstaltungstechniker heute das Bindeglied zwischen Deutschland und Costa Rica und eine der treibenden Kräfte im Projektverbund FuturoVerde. Von Anfang an mit dabei, kennt Stefan jeden Aspekt der einzelnen Akteure und deren Zusammenspiel im Verbund. Mit unermüdlicher Arbeit sorgt Stefan für die stetige Weiterentwicklung aller Bereiche und wird voraussichtlich zukünftig die Geschäftsführung von Vater Leo übernehmen.

Leo Pröstler im Interview

Leo Pröstler engagiert sich seit Jahrzehnten dafür, nachhaltiges Wirtschaften im Alltagsgeschäft zu verwirklichen. Dabei ist er (k)ein typischer Unternehmer. Zwar will er will immer nur eines: Rendite. Jedoch nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern umfassend. Im Interview erklärt er, was er damit meint.

Herr Pröstler, vor zehn Jahren haben Sie damit begonnen, brachliegende Flächen in Costa Rica aufzuforsten. Was kennzeichnet diese Arbeit am ehesten?

Unser Anspruch war es, in unserem Aufforstungsprojekt das Drei-Säulen-Modell aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem umzusetzen. Das bedeutete eine ständige Dynamik. Denn wir haben bei der Suche nach Lösungen für auftauchende Probleme immer darauf geachtet, Gemeingüter nicht zu verbrauchen, sondern zu vermehren. Beispielsweise haben wir uns durch einen dazu gekauften Biodünger für unseren Ingwer, den wir zwischen den Bäumen anbauen, die Krankheit Ralstonia aufs Feld geholt. Das Bakterium hat eine ganze Ernte vernichtet. Inzwischen haben wir ein Labor für unsere Setzlinge aufgebaut und wissen, wie wir den Ingwer in Permakultur widerstandsfähig machen können. Das hat uns stark vorangebracht.

Sie haben auch die PuroVerde eG gegründet.

Wir haben von Anfang an auf unseren Aufforstungsflächen Feldbau betrieben. Mit der Genossenschaft wollen wir jetzt eine neue Form der Regionalität etablieren: Kunden aus Deutschland und Europa können als Mitglieder Verantwortung für Produkte aus unserem Projektverbund und die Kleinbauern übernehmen, die mit und für uns arbeiten.

Wie profitieren die Menschen vor Ort davon?

Wir wollen, dass möglichst viel Wertschöpfung in der Region bleibt. Deswegen picken wir uns nicht nur ein paar Rosinen heraus, mit denen man Geld verdienen kann, sondern übernehmen die Verantwortung für ein Produkt vom Acker bis zum Teller. Dazu gehören die Auswahl der Böden, das Erzeugen von Setzlingen, die Kombination verschiedener Pflanzen in Permakultur und natürlich Anbau, Ernte und Vertrieb bis nach Europa. Mit dem Aufbau dieses ganzen Wissens sind wir in der Lage, viele Kleinbauern in unseren Projektverbund zu integrieren. Auf der anderen Seite können diese uns aber auch ihre eigenen Produkte zur Vermarktung geben, damit wir für sie einen besseren Vertriebserlös erzielen.

Wenn Sie über die Entwicklung der vergangenen Jahre sprechen, betonen Sie eher die Schwierigkeiten als die Erfolge. Warum?

Natürlich berichten wir gern darüber, wenn alles gut läuft und wie erfolgreich unser Projekt ist. Viel wichtiger ist es aber, die Schwierigkeiten aufzuzeigen, die wir überwunden haben. Wenn wir wie beim Ingwer zunächst scheitern, dann aber eine Lösung finden, können wir und andere viel mehr lernen, als wenn wir nur unsere Erfolge in den Vordergrund stellen. Wir versuchen, Probleme zu lösen und dabei grundsätzlich unserem Anspruch gerecht zu werden, das Ökosystem vor Ort zu verbessern. Das ist mir wichtig.

Sie haben dafür den Begriff Plustainability kreiert.

Der Begriff soll zum Ausdruck bringen, dass es heute nicht mehr reicht, einfach nur den Zustand so zu erhalten, wie er ist. In den vergangenen Jahrzehnten wurde überall auf der Welt so viel zerstört, dass wir Menschen der Natur und der Umwelt wieder etwas zurückgeben müssen. Als Unternehmer versuche ich deshalb, bei unserer Art der Aufforstung nicht nur die Interessen unserer Investoren zu berücksichtigen, sondern das gesamte System. Während andere mit Ananas- oder Teakmonokulturen immer größer geworden sind, um mit einem Produkt möglichst viel Profit zu machen, wollen wir in unserer Vielschichtigkeit Boden, Luft und Wasser verbessern – und das mess- und nachweisbar.

Sie haben den Anspruch, die Wirtschaft an sich wieder gemeinnützig zu machen. Geht das denn in unserem heutigen System?

Ganz sicher. Grundsätzlich sollte die Wirtschaft für die Menschen da sein und nicht umgekehrt. Sie produziert etwas oder bietet eine Dienstleistung – aber dies sollte allen zugutekommen. Der Fehler liegt darin, dass in unserem Wirtschaftssystem Gemeingüter keinen Preis haben. Wer als Unternehmer freiwillig Natur und Rohstoffe schont, hat sofort einen Wettbewerbsnachteil. Es geht mir dabei nicht um Moral, sondern um das richtige Bilanzieren. Deshalb brauchen wir aufgeklärte Verbraucher, die auf den wahren
Preis von Produkten achten und mit ihrer Kaufentscheidung dazu beitragen, Natur und Umwelt zu schonen.

Aus diesem Grund haben Sie auch FuturoVerde gegründet, die Stiftung für Wirtschaften mit Verantwortung. Was wollen Sie mit der Stiftung bewirken?

Mit der Stiftung will ich Wege zu einem zukunftsfähigen Wirtschaften erarbeiten lassen und dabei zeigen, wie ein Ökosystem und seine Artenvielfalt nicht nur erhalten, sondern möglichst verbessert werden kann. Dafür habe ich den Startschuss gegeben. Die Stiftung kann aber nur funktionieren, wenn jetzt andere auch Interesse an den Ergebnissen haben und zustiften. Dann kann Geld in die verschiedenen Projekte gesteckt werden, in denen Wissenschaftler das Thema Nachhaltigkeit fundiert erarbeiten.

Was bedeutet das konkret?

Die Stiftung arbeitet beispielsweise mit Forschern zusammen, die ein Werte- und Messsystem für verschiedene Dinge entwickeln: Wie ist die Anzahl der Bakterien im Boden zu bewerten, die Verunreinigung im Wasser oder beispielsweise der CO₂-Gehalt in der Luft? Solche Daten sollen dann dem jeweiligen Wirtschaften und einzelnen Produkten zugeordnet werden.

Tragen diese Ergebnisse dazu bei, Ihr Projekt auf andere Regionen übertragbar zu machen?

Zunächst einmal sollen sie unsere Arbeit optimieren und die wissenschaftlichen Daten dafür liefern, welche Wirkung diese neue Art der Landnutzung in Permakultur hat. Und natürlich sollen die Wissenschaftler in einem zweiten Schritt die Kriterien entwickeln, nach denen man Erfolg bemessen und übertragen kann.

Wenn es um die Weiterentwicklung geht, stellen Sie immer wieder Ihren Sohn Stefan in den Vordergrund…

Stefan ist ein Glücksfall für das gesamte Projekt. Ohne ihn hätte ich weder BaumInvest 2 noch BaumInvest 3 initiieren können. Erst dadurch hat der Projektverbund eine Größe bekommen, mit der man längerfristig vernünftig arbeiten kann. Gleichzeitig entstand eine Dialektik zwischen uns beiden, wo er erst von mir, und mit zunehmender Dauer ich auch von ihm gelernt habe. Er hat das Forstkonzept verbessert und im Waldfeldbau die Permakultur eingeführt. Da leisten wir Pionierarbeit.

Sie sind gerade 70 geworden und jetzt dabei, die Geschäfte an Ihren Sohn zu übertragen. Wie geht es Ihnen dabei?

Stefan hat die Weichen für die Zukunft gestellt und bringt andere Erfahrungen ein. Er hat den Elan, das Projekt, das ich gestartet habe, mit seinen Ideen weiterzuentwickeln – mit neuer Technik und anderen Denkansätzen. Damit kann er dem Ganzen eine erfolgreiche Zukunftsperspektive geben. Ich finde die Begeisterung toll, mit der er und mit ihm eine neue Generation von Mitarbeitern derzeit ganz neue Projekte angehen.

Im wahrsten Sinne des Wortes ein Generationenprojekt?

Ja, absolut.

Werden Sie dem Projekt erhalten bleiben?

Ich werde meine Erfahrungen, mein Netzwerk und meine Ideen einbringen und als Ratgeber dabei bleiben. Aber ich muss nicht mehr das Tagesgeschäft machen.

Unser Prinzip der PLUSTAINABILITY: Nachhaltig – mit echtem Mehrwert!

Ein starker Verbund – Je mehr wir sind, umso mehr können wir erreichen!

Viel Einsatz schafft Werte – unsere Erzeugnisse können sich sehen lassen!

Der Visionär, der anpackt – Stefan Pröstler

Puro Verde begann als Dienstleister für nachhaltige Aufforstung, heute produziert das Unternehmen in Costa Rica Ingwer, züchtet Rinder und setzt auf Permakultur. Mittendrin und für das Ganze verantwortlich: Stefan Pröstler. Ein Besuch.

Mit Heiko, dem Vorstandsmitglied der PuroVerde eG, muss noch schnell die Tagesordnung der anstehenden Mitgliederversammlung besprochen werden. Was wird noch für die Powerpoint-Präsentation benötigt? Und wer redet in welcher Reihenfolge worüber? „Und kannst du Silvia bitte sagen, dass sie mich zurückruft?“ Im Telefonat mit der Controllerin geht es dann um die aktuellen Vertriebszahlen von GingerVerde. Und wann ist der neue Software-Entwickler mal wieder im Haus? Gesprächsfetzen aus dem Alltag eines nachhaltigen Unternehmers.
Es ist sieben Uhr morgens, als die Gespräche stattfinden, und Stefan Pröstler fährt gerade mit dem Auto durch den Norden Costa Ricas, während er telefoniert. Wir sind irgendwo zwischen dem zentralen Projektbüro in Muelle und der Finca Rio Cuarto. In Deutschland ist es bereits 15 Uhr; wenn Pröstler mit seinen Mitarbeitern dort reden will, muss er die frühen Morgenstunden nutzen. Funklöcher lassen die Gespräche immer wieder abbrechen. Die Klimaanlage des Wagens kämpft gegen die feuchte Hitze der Tropen an.

Heino, Rolling Stones – und dann rief der Wald
Stefan Pröstler, 37, ist Geschäftsführer von Puro Verde Paraiso Forestal, im Aufsichtsrat der Puro- Verde-Genossenschaft und verantwortlich für rund hundert Angestellte und 30 Millionen Euro deutsche Investorengelder. Gemeinsam mit seinem Vater Leo Pröstler hat er den Projektverbund zu dem gemacht, was es heute ist.
Seit zehn Jahren ist er hier in Costa Rica. Dass er mal mit seinem Vater, dem früheren Chef des Öko-Instituts und Gründer des Umweltversands Waschbär, zusammenarbeiten würde, darauf hatte nichts hingedeutet. „Früher war mir das schnuppe, was mein Vater gemacht hat. Da hatte ich überhaupt keine Beziehung zu Öko.“
Geboren in Freiburg, aufgewachsen in Donaueschingen, machte Stefan Pröstler nach der Schule zunächst eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker. Ob Heino, die Rolling Stones oder irgendeine

Messe – acht Jahre lang stellte er die unterschiedlichsten Events auf die Beine.
Als dann der Anruf seines Vaters kam, waren ihm schon immer wieder Zweifel an bestimmten Facetten seines Jobs gekommen. Einmal, da mussten sie Lastwagen voller Plüschtiere auf den Müllplatz fahren, die bei einem Konzert der Teenie-Band Tokio Hotel auf die Bühne geflogen waren.
Dann also dieser Anruf: Es gebe da in Costa Rica eine Finca, die er kaufen wolle, meinte Leo Pröstler zu seinem Sohn. Er könne doch Spanisch, ob er denn nicht kurz mit rüberfliegen und ein bisschen übersetzen könne.
Kurz, sagte der Vater.
Es ging damals um den ersten BaumInvest-Aufforstungsfonds von Leo Pröstler. Sein Sohn packte seinen Koffer, setzte sich ins Flugzeug. Vom Flughafen in San José ging es direkt zum Notar. Ein paar Stunden nach der Landung war der Kaufvertrag unterschrieben. Nach der Vertragsunterzeichnung galt es, einen vertrauenswürdigen Auftragnehmer zu finden, der die Aufforstungsarbeiten übernehmen würde. Viele der Kandidaten erschienen den Pröstlers zu unseriös. Als man sich am Ende mit einem erfahrenen Aufforster einig wurde, bot der Sohn dem Vater dennoch an, drei Monate lang in Costa Rica die Pflanzungen zu überwachen.
Also kam er noch einmal, wohnte in einer kleinen Holzhütte, stand morgens um fünf Uhr mit den Arbeitern auf der Finca, packte mit an. Aus den drei Monaten wurde schließlich ein Jahr. Dann noch eines. Und so weiter. „Das hat sich so eingeschlichen“, sagt Pröstler. Wir besuchen Stefan Pröstler in Costa Rica. Drei Tage sind nicht viel Zeit. Aber zumindest ein paar Höhepunkte der vielfältigen Aktivitäten will er zeigen. Von der ersten Finca, auf der aufgeforstet wurde, über die Rinderzucht bis zum Maracuja-Testfeld.

Stefan bei Bodenproben auf der Finca San Rafaél

Anschauungsunterricht mit Studenten im Wald

Seine ersten sechs Wochen verbringt der Ingwer im Labor
Der erste Halt ist in der Hauptstadt San José: das Labor Cenibiot. Hier verbringt der Ingwer, den die PuroVerde eG auch für ihr Kultgetränk GingerVerde anbaut, seine ersten sechs Wochen. Zwischen gelben Wänden, blauen Türen und Menschen in weißen Kitteln, insgesamt fünf Mitarbeiter hat Pröstler hier eingestellt. Ingwer aus dem Labor? Schuld an der ungewöhnlichen Anbaumethode trägt das Ralstonia-Bakterium, das sich vor allem über die jungen Pflänzchen hermacht und so eine ganze Ernte vernichten kann. Puro Verde hat das schon einmal erlebt. Deshalb müssen die zarten Pflanzen nun erst in Marmeladengläsern und unter nahezu sterilen Bedingungen heranwachsen.
Vom Labor aus werden jede Woche die sechs Wochen alten Ingwer-Pfl anzen zunächst zur Finca Rio Cuarto gebracht, wo im Projektverbund auch die Zierpflanzen angebaut werden. Dort kommen sie zunächst für weitere sechs Wochen in ein Gewächshaus, um sich an das Leben im Tageslicht zu gewöhnen. Erst danach dürfen sie raus aufs Feld an ihren endgültigen Standort, auf einen Permakultur-Acker auf der Finca.
Die Permakultur, das ist auch eine Idee von Stefan Pröstler. Davon, etwas auf eine bestimmte Art und Weise zu machen, weil man es schon immer so gemacht hat, davon hält er wenig, überlegt immer, welche anderen Möglichkeiten es gibt. Besonders gern nimmt er sich dabei Anleihen bei der Natur. Daher auch die Begeisterung für Permakultur.
Seine Haare hat Pröstler zu einem Zopf zusammengebunden, das Hemd trägt er über der Jeans. Nur ab und zu bricht das Badische ein wenig durch, vor allem wenn er „Büro“ sagt – mit Betonung auf der ersten Silbe.

Stefan Pröstler hat immer das große Ganze im Kopf
Was als reines Aufforstungsprojekt begann, ist mittlerweile ein kompliziertes Geflecht von 18 Firmen – vom kleinen Bauunternehmen bis zum Supermarkt. Dazu noch Genossenschaft, Stiftung und der VisionsWald. Das gelang freilich nur mit der Hilfe von Menschen, die die Idee mit Kapital unterstützten, und engagierten Angestellten vor Ort.
Um die Ansprüche dieser verschiedenen Stakeholder umzusetzen, wurden nach und nach weitere Projekte ins Leben gerufen. Die Unterstützung von Wissenschaftlern schließlich hilft, das Ganze nachweisbar und übertragbar zu machen. „Wirtschaften ist die Befriedigung der verschiedenen Bedürfnisse im Rahmen des natürlichen Ressourcen-

erhalts“, sagt Pröstler.  „Wer nachhaltiges Wirtschaften ernst- und dauerhaft umsetzen will, muss mehr tun. Forst war für uns dabei nur der Anfang.“
Aktuell gibt es in der Ortschaft Muelle, wo Puro Verde sein Büro hat, auch noch ein Testfeld für Maracuja: Ist der Anbau erfolgreich, soll die Rankepflanze ebenfalls ins Permakultur-Konzept integriert werden. Der Bedarf von Verbrauchern an transparent hergestellten Lebensmitteln ist enorm, das Interesse am Markt entsprechend groß. Stefan Pröstler denkt aber auch schon darüber nach, die Frucht zu Saft oder Marmelade zu verarbeiten.
Aber es geht nicht ums Wachstum, wenn Pröstler ein neues Projekt startet. Neben den ökonomischen stehen immer auch gleichberechtigt die ökologischen und sozialen Gesichtspunkte. „Die Balance zwischen diesen drei Säulen ist mir persönlich sehr wichtig“, sagt Pröstler. Spenden seien zwar auch gut und wichtig, etwa für die Forschung, aber sie könnten keine nachhaltigen Schutzsysteme schaffen. „Das geht nur, wenn man auch die Ökonomie integrieren kann. Schenk dem Mann einen Fisch oder lehr ihn das Fischen! Wir wollen ihn das Fischen lehren.“
Als „gelernten Autodidakten“ bezeichnet sich Stefan Pröstler gern. Dabei ist sein Interessensspektrum so breit, dass eine Autofahrt mit ihm zur geistigen Herausforderung werden kann; mit der Schnelligkeit seiner Gedanken Schritt zu halten, ist nicht einfach. Er hat immer das große Ganze im Kopf, auch wenn er sich gerade bei den Details aufhält: Er weiß aus dem Kopf, wie viel die Feinunze Gold derzeit kostet, kann stundenlang über Bio-Dünger reden und erklärt nebenbei, wie man im Chinesischen Verben konjugiert. Mal zitiert er aus einer Rede, die jemand auf dem letzten Treffen des Chaos Computer Clubs gehalten hat, dann aus einer Southpark-Folge oder auch aus dem Vorwort eines 2500-Seiten-Wälzers, den er gelesen hat.
Das Thema: die Zelle.
Dem Klischee-Intellektuellen entspricht er dabei jedoch nicht. Man muss sich nur seine Hände ansehen. Das sind die Hände von einem, der damit schon viel gearbeitet hat. Wenn er im einen Moment vielleicht noch über die Maslow’sche Bedürfnis-Pyramide räsoniert hat, schiebt er im nächsten die Regale im Supermarkt an die richtige Stelle. Und wenn er nach Freiburg kommt, nutzt er die Gelegenheit, seinem alten Sport nachzugehen: Kung-Fu.

Leo und Stefan auf der Finca La Virgen

Stefan hoch zu Ross

Zyklenmanagement heißt das Konzept der Zukunft
Es ist jetzt Mittag, Stefan Pröstler steht im Wald. Wir sind auf der Finca San Rafael, dort, wo alles angefangen hat. Ein-, zweihundert Meter weiter, auf der anderen Straßenseite, Teak, Monokultur, die Jugendsünden von BaumInvest 1. Längst ist man zu Mischwald übergegangen, zu heimischen Hölzern. Pröstler zeigt auf die Bäume um ihn herum und erklärt das Vorgehen: Erst wird Cebo angepflanzt, kein besonders hochwertiges Holz, aber die Bäume wachsen schnell. In seinem Schatten werden dann später die Edelhölzer Cortesse, Amarillo und Guapinol gepflanzt. Nach zehn Jahren wird der Cebo gefällt, die anderen Bäume sind dann schon groß genug, dass sie ihren Nachfolgern Schatten spenden können. Idealerweise erneuert sich der Wald von da an selbst – ohne weitere Nachpfl anzungen. Zyklenmanagement heißt das neue Konzept, das Pröstler hier implementiert.
Wie genau die Ernteplanung zukünftig umgesetzt wird, ist auch eine Entscheidung der Gesellschafter. Pröstler ist überzeugt: Es ist die Zukunft. „Wir erfinden da nichts großartig Neues, sondern wir arbeiten mit und lernen von der Natur.“ Gleichzeitig spricht er von einem Scheidepunkt. Denn welche Bäume jetzt geerntet werden und welche man weiter wachsen lässt, das ist eine Entscheidung mit großen Auswirkungen auf das nachhaltige Forstsystem.

Der Projektverbund will kein Urheberrecht – sondern Nachahmer
Seit sich Vater Leo seit zwei Jahren immer mehr aus dem Tagesgeschäft zurückzieht, ist der Juniorchef auch in Freiburg immer öfter gefragt. Zwölf Mal im Jahr fl iegt er zwischen Costa Rica und Deutschland hin und her. Es ist ein Leben im Jetlag.

Auch in Freiburg gibt es viel zu tun: Serverumstellungen, Einführung einer auf Linux basierten Buchhaltungssoftware, Fragen der Unternehmensstruktur … „Durch eine smarte IT und eine gute Vernetzung ist es auch möglich, als kleines Unternehmen Großes zu bewirken“, sagt Pröstler.
„Viele Leute sagen zu mir: Ich weiß schon, ihr wollt die Welt retten“, erzählt er. „Ich sag’ dann immer: Die Erde gibt es jetzt schon seit viereinhalb Milliarden Jahren, die wird es auch weiterhin geben. Worum es hier eigentlich geht, ist, ob wir Menschen für uns selbst die Weichen richtig stellen.“
Deswegen geht es nicht nur um Costa Rica. „Wir wollen mit dem Projektverbund in Costa Rica aufzeigen, dass ein anderes Wirtschaften möglich ist, dafür ein praktisches Beispiel liefern. Wir erheben kein Urheberrecht, sondern freuen uns über jeden Nachahmer.“ Stefan Pröstler will nicht weniger als einen Wandel im Denken der Leute. Und dieser, davon ist er überzeugt, kommt am leichtesten zustande, wenn Bauern, Investoren, Mitglieder und Wissenschaftler sich gleichermaßen an dem Projekt beteiligen. „Alle sind aufgefordert mitzumachen. Schließlich betrifft es unsere Lebensgrundlagen.“
Der Wandel, von dem Pröstler spricht, braucht natürlich seine Zeit. Ein Nachbar in San Rafael beobachtet seit Jahren, was diese Deutschen da treiben. Da hat man mühsam den Wald abgeholzt, um Weideland zu schaffen, und die forsten plötzlich wieder auf! Das funktioniert nicht, hat er ihnen zu Anfang immer wieder prophezeit. Neulich hat Pröstler den Mann in einer Kneipe getroffen. „Weißt du, Stefan“, hat er dieses Mal gesagt, „das, was ihr da macht, das ist gar nicht so doof.“
Was will man mehr?

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Wirtschaft ändern

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